Podiumsdiskussion: Schengen in der Krise – Auseinandersetzungen um europäische Migrationspolitik

Dienstag, 3. Juni 2014
Centro Sociale

In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass sich „Schengen“ als ein Projekt der Freizügigkeit von EU-Bürger_innen und der gleichzeitigen Kontrolle „illegaler Migration“ nicht reibungslos etablieren lässt. Die südeuropäischen Staaten zeigen sich überfordert, sperren Geflüchtete in überfüllte Lager oder geben ihnen Papiere, damit sie in den Norden weiterreisen. Die nordeuropäischen Staaten erklären sich dagegen für nicht zuständig. Während im Mittelmeer weiterhin Menschen ertrinken, müssen die Überlebenden dieser Reise in Hamburg und anderen Städten um ihre Rechte kämpfen. Auch die Diskussion um eine Wiedereinführung innereuropäischer Grenzkontrollen ist ein Zeichen dafür, dass die Logiken von Schengen in die Krise geraten. Jedoch ist diese Krise nicht nur auf institutioneller Ebene zu spüren. Auch innerhalb der europäischen Bevölkerungen nehmen beispielsweise antiziganistische und antimuslimische Ressentiments zu, welche Freizügigkeit und Rechte im EU-Binnengebiet auch für deren Bürger_innen in Frage stellen. Gleichzeitig sollen ausländische Fachkräfte und Pflegepersonal die europäischen Arbeitsmärkte bereichern. Dieser rassistisch und sozialdarwinistisch motivierten Migrationspolitik stehen unter anderem der Refugee Protest und antirassistische Bewegungen entgegen, die neue Allianzen kreieren und neue Formen der Zugehörigkeit, der Repräsentation und der Teilhabe fordern. Gemeinsam wollen wir diskutieren wie wir die Krise von Schengen und die widersprüchlichen Entwicklungen im Feld der „Regierung von Migration“ begreifen. Welche unterschiedlichen politischen Projekte vermengen sich hier und auf welche Widerstände stoßen sie? Welche Verknüpfung besteht zwischen lokalen Kämpfen und europäischen Politiken? Wie wird die Stadt zur Bühne der Repression und des Widerstandes? Wie könnten politische Strategien aussehen und was können wir voneinander lernen?

Teilnehmer_Innen:

- Bernd Kasparek (Wissenschaftler [www.kritnet.org] und Aktivist [Karawane München])
- HMJokinen (Künstlerin & Aktivistin, Team freedom roads! – www.freedom-roads.de)
- Friday Emitola (Sprecher der Gruppe Lampedusa in Hamburg, www.lampedusa-hamburg.info/ )
- Miltiadis Oulios (Wissenschaftler, Aktivist und Autor des Buches: „Blackbox Abschiebung“)

Grenzregime aus dem Blickwinkel des Hip-Hop Milieus im Senegal

Dienstag, 20. Mai 2014
Centro Sociale

In den letzten Jahren prägt das europäische Grenzregime zunehmend die Wahrnehmung und Kontrolle von Migration in Westafrika. Diese Entwicklung will ich anhand des Beispiels Senegal skizzieren. Darüber hinaus werde ich darauf eingehen, wie Migration aus dem aktivistischen und gesellschaftskritischen Hip-Hop Milieu im Senegal wahrgenommen wird. Hierzu wird ein 20 minütiger Film mit Ausschnitten aus Hip-Hop Videoclips und Interviews mit bekannten senegalesischen Rappern gezeigt. Das senegalesische Hip-Hop Milieu hat sowohl beim Regierungswechsel im Jahr 2000 als auch wieder 2012 eine zentrale Rolle bei der politischen Mobilisierung der Jugend gespielt. In Anbetracht dieses doppelten Selbstverständnisses als Künstler und Aktivist, dass vor allem die machtpolitischen Konstellationen im eigenen Land aber auch auf der internationalen Ebene kritisiert, wird der Frage nachgegangen, inwiefern es sich hier um einen Widerspruch handelt, wenn durch Hip-Hop gegen „illegale“ Migration mobilisiert wird.

Nannette Abrahams, Sozialwissenschaftlerin, Frankfurt a.M.

Links zum letzten Vortrag

Wie verprochen hier der Link zu den Stadtrundgängen von Hamburg Postkolonial: http://www.hamburg-postkolonial.de/rundgaenge.html
Der Rundgang zu den „kolonialen Spuren in der HafenCity“ wird von Tania Mancheno geleitet, die nächsten Termin sind am Sonntag den 13. Juli, 10. August und 28. September, jeweils um 14 Uhr.

Für alle die mehr über die Ge­schich­te der Vor­or­te erfahren wollen hier auch der Hinweis auf ihre Publikation:
Mancheno, Tania (2011): Raum und Gewalt. Eine geo-ethnologische Analyse der Pariser Banlieues. Hamburg

Transnationale Räume und die postkoloniale Grenze in Europa

Dienstag, 6. Mai 2014
Centro Sociale

Die Geschichte der Vororte einer Stadt ist gleichzeitig die Geschichte eines bestimmten Modus sozialer Ausgrenzung. In meinem Vortrag geht es um eine historische Analyse der Grenze, welche die Bewohner_innen in „nationale” und „nicht-nationale” Bevölkerung unterteilt. Unbekannter als die Außengrenze eines Landes sind die Grenzen in der Stadt. In der Stadtplanung verbergen sich diese Grenzen als neutrales Merkmal der Urbanisierung. Jedoch zeigen die Architektur und der funktionsorientierte Raum einer Stadt, wie Räume zur sozialen Ausgrenzung beitragen können. Städtische Grenzen sind geprägt durch subtilere Formen der Kontrolle, der Gewalt und der Exklusion. In meinem Vortrag wird die Pariser Geographie in ihrer normativen, postkolonialen Fragmentierung aufgezeigt, welche einen bestimmten Stand der Machtverhältnisse innerhalb der Gesellschaft widerspiegelt. Diese Analyse wird auf Hamburg und die Geschichte ihrer Vorstädte übertragen.

Tania Mancheno, Politikwissenschaftlerin, kritnet, Hamburg

Öko­no­mi­sie­rung der Men­schen­rech­te im Neo­li­be­ra­lis­mus – Doing Bor­der in Genf

Dienstag, 22. April 2014
Centro Sociale

Na­tio­nal­staat­li­che Gren­zen be­stim­men, wer for­mal er­wünscht und un­er­wünscht hier lebt und mit Rech­ten aus­ge­stat­tet wird. Dass diese Grenz­zie­hung fle­xi­bel ist, wird an­hand des Um­gangs mit il­le­ga­li­sier­ter Mi­gra­ti­on im All­tag deut­lich. Denn ent­ge­gen po­pu­lis­ti­scher Auf­schreie wird die Ar­beit von il­le­ga­li­sier­ten Mi­gran­tIn­nen ge­schätzt und in ei­ni­gen Län­dern sogar von Be­hör­den und In­sti­tu­tio­nen to­le­riert. In mei­nem Vor­trag stel­le ich das „Gen­fer Mo­dell“ vor, wel­ches auf dem „hu­ma­nen Um­gang” mit ar­bei­ten­den Sans Pa­piers ba­siert und ein Re­sul­tat von Kämp­fen für ihre Rech­te ist. Zu­gleich haben die Vor­ur­tei­le ge­gen­über Asyl­su­chen­den und ihre Kri­mi­na­li­sie­rung zu­ge­nom­men. Die­ses doing bor­der ver­weist auf neue bio­po­li­ti­sche Be­wer­tun­gen, die sich in einem dif­fe­ren­zie­ren­den Um­gang mit Sta­tus­grup­pen aus­drü­cken. Die These, dass dies auf eine „Öko­no­mi­sie­rung der Men­schen­rech­te“ ver­weist, soll ge­mein­sam dis­ku­tiert wer­den.

Ka­the­ri­ne Braun, So­zio­lo­gin, kritnet, Ham­burg